SONY hat hier eigentlich ein gutes Kompaktgerät mit überzeugenden Features auf den Markt gebracht. Kartenmaterial von ganz Europa (Schwerpunkt DACH+Westeuropa) mit sog. „seamless“ Navigation (also auch über Ländergrenzen hinweg), dazu TMC, großer Speicher (2GB) u.v.m. Das ganze mit hübsch anzusehender Grafik (TomTom sieht einfach mistig aus
) und einer intuitiven Benutzerführung.
Leider zeigt das Gerät in der Praxis unverzeiliche Schwächen: GPS-Signal wird erst nach 5 – 10 Minuten (nicht übertrieben!) gefunden und reisst auch während der Navigation immer wieder ab, die Routenberechnung dauert wirklich lange und häufige Systemabstürze machen das Gerät wirklich unbrauchbar. Da mehrere Reperatur-Versuche scheiterten, gehe ich nicht von einem Einzelfall aus. Fazit: hübsch und im Ansatz gut – in der Praxis wirklich unbrauchbar!
Praxisbericht
Nach einigen Tests mit No-Names, die allesamt nicht den Basis-Anforderungen (schnelle Routenkalkulation, zuverlässiges TMC, Kartenmaterial auch mit Westeuropa) genügen konnten, suchte ich gezielt nach einem Markengerät. Sony ist neben Apple sicherlich einer der wenigen Hersteller, die verstanden haben, dass Technik auch einem gewissen ästhetischem Anspruch und einer gehobenen Erwartungshaltung hinsichtlich der Verarbeitungsqualität genügen sollte. Mit großer Freude sah ich also in dem Geschäft meiner Wahl, dass Sony auch Navigationssyteme produziert. Aufgrund der massiven Überdachung konnte man das Gerät im Laden nur eingeschränkt testen, aber das, was ich sehen konnte, begeisterte:
- Solide Verarbeitung
- Intuitive Benutzerführung (aus jeder Menüebene kommt man mit einemKnopf immer direkt in die Navigationsansicht – sehr praktisch)
- Wirklich hübsche Grafik (wie schon beschrieben: TomTom sieht wirklich mistig aus)
- Viele Konfigurationsmöglichkeiten der Kartenansicht (insbesondere kann man die Karte auch in einem permanent genordeten 2D-Modus anzeigen lassen; auf diese Weise lernt man auch die befahrenen Gegenden/Strassen; die mitschwingende 3D-Ansicht gibt dem eigenen Orientierungssinn keine Lernmöglichkeit)
- Automatische Tag-/Nacht-Umschaltung (auch sehr nützlich) des Displays
Und da auch rundweg positive Tests die Qualität des Gerätes bestätigten, Preis/Leistung zu stimmen schienen, fiel die Kaufentscheidung nicht schwer.
Umso größer die Enttäuschung nach einer knappen Woche Praxiseinsatz:
- Da ich mein Auto sowohl beruflich, als auch privat häufiger in einer Tiefgarage abstelle, muss sich das System jedes Mal neu seine Satelliten suchen. Sollte eigentlich nicht so schwer sein. Dachte ich auch. Leider braucht der gute NV-U71T dazu – ohne zu übertreiben 5 – 10 Minuten. Jedes Mal. Immer wieder. Ein Blick in die Betriebsanleitung schildert das zwar nicht explizit, weist aber darauf hin, dass bei Abschaltung und komplettem Verlust des GPS-Signales die Suche bis zu 20 Minuten (!) dauern kann. (Auch wenn ich kein Freund von umfangreichen Warnschildern bin: Hier wäre der Hinweis auf dem Karton „nicht mit Tiefgarage verwenden“ angebracht!)
- Der Empfang des TMC-Signales scheint ausgesprochen schlecht zu funktionieren. Ich verwendete das System in Ballungsräumen in NRW. TMC konnte nur nach einer längeren Anlaufphase empfangen werden (unabhängig davon, ob das Auto zuvor in der Tiefgarage geparkt wurde). Und selbst bei Empfang des Signales dauerte eine Alternativberechnung unmässig lange. Immer wieder schien der Prozessor hier hoffnungslos überfordert, was sich in diversen Abstürzen zeigte (Bild friert dann ein oder die Neuberechnung einer Strecke kommt einfach nicht zu einem Ende).
- Generell waren auch bei Nichtverwendung des TMC (aus Verzweiflung klemmte ich die Antenne ab in der Hoffnung, dass das Gerät dann weniger häufig abstürzen und schneller arbeiten würde) Abstürze regelmäßig (auf Kurzstrecken 25% Wahrscheinlichkeit) zu verzeichnen. Auf Satelliten-Finde-Zeit schien das Abklemmen übrigens keinen messbaren Effekt zu haben.
Mehrmalige Besuche des Händlers brachten in den folgenden 6 Monaten (!) keine Besserung. Das mag an der beschränkten Kompetenz des Reperatur-Zentrums liegen (beim 1. Versuch wurde lediglich die Firmware upgedatet – das hatte ich natürlich selber bereits durchgeführt – ohne Besserung, beim 2. Engagement wurde dann angeblich auch das GPS-Modul getestet und der Reperaturbericht mit dem hilfreichen Hinweis versehen, dass „je nach Strassenetz-Dichte und TMC-Meldungen die Berechnung der Route unterschiedlich lange Zeit in Anspruch nimmt“ – schade nur, wenn man schon angekommen ist, und das Gerät nach 25 Minuten Fahrt immer noch versucht, eine 32km Strecke zu berechnen…), wahrscheinlicher ist jedoch ein grundlegender Konstruktionsfehler.
Vorsicht, dies ist jetzt meine laienhafte Hypothese: Die Software und der Funktionsumfang des Gerätes ist top. Ebenso die technische Verarbeitung. Leider hat man wahrscheinlich eine etwas störanfällige Variante des GPS-Moduls eingebaut (Sirf III hat ja wol häufiger Probleme) und bei der Auswahl der eingesetzten CPU (Intel PXA255, 300 MHz) war vermutlich der Controller maßgeblich für die Entscheidung verantwortlich. Hübsche Grafik braucht vermutlich auch ein wenig mehr Rechenpower, als der TomTom-Klötzchen-Look
Ich bin jedenfalls sehr enttäuscht und gleichzeitig froh, dass ich nach langem Kampf das Gerät nun endlich gegen Bares tauschen konnte. Das nächste Gerät werde ich jedenfalls in jedem Falle draussen testen und erst dann kaufen
.
Datenblatt (hier ausführlich beim Hersteller)
Anzeige 240×320 pixels
Display-Farben 0.065536 M
Monitor LCD mit Touchscreen
Europäisches Basemap
Akku-/Batteriebetriebsdauer 6.5 h
GPS-Receiver SiRFstar III
Konnektivität Anschlüsse USB
Interner Speicher 2000 MB

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Dezember 5, 2007 um 1:31
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[...] Medion steht ja nun nicht gerade für tolles Styling und hohe Qualität. Dass allerdings auch die Markenhersteller nicht immer das halten, was die mühsam gezüchteten “Images” versprechen, musste ich ja nun leider auch schon feststellen. [...]